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Okinawa Report April 2013

Im Karate spielen die Kata eine wichtige Rolle. Aber das ist noch lange nicht Alles, was Karate zu bieten hat! Neben den Kata wird auch u.a. auf Gymnastik, Ausdauer und Partnerarbeit großen Wert gelegt.

Auch ein gewisses Maß an Kraft sollte man sich aneignen. In Deutschland gibt es viele Möglichkeiten, um seine Kraft zu verbessern. Sei es nun Fitnessstudio, Cross-Fit oder Gewichtheben. Wie aber trainieren die Karateka auf Okinawa? Gibt es besondere Methoden? Mit welchem Ziel wird das Krafttraining hier betrieben? Über diese Themen soll es in diesem Bericht gehen.

Es gibt sogar einen speziellen Begriff für das Krafttraining im Karate. Es bietet sich also an, sich diesen zunächst einmal näher anzuschauen. Übungen, bei denen man u.a. seine Kraft trainiert werden hier in der Regel „Hojo Undo“ (補助運動), zu Deutsch etwa „Unterstützende Übungen“, genannt. Es gibt noch einen weiteren Begriff der ebenfalls Verwendung findet, nämlich „Kigu Undo“ (器具運動), was soviel wie „Übungen mit Geräten“ bedeutet.

An diesen Namen lassen sich bereits zwei Sachen gut zeigen. In der ersten Bezeichnung ist von „unterstützenden“ Übungen die Rede. Das heißt also, dass diese Übungen nicht den Hauptbestandteil des Trainings ausmachen, sondern ein Plus, ein Zusatz zu anderen Übungen sind. Aber was wird „unterstützt“? Ganz einfach: Die Kata! Alle Übungen sollen helfen, die Kata und die Techniken aus den Kata zu vervollkommnen. Das ist ein wichtiger Punkt, denn da dies also das Ziel der „Hojo Undo“ ist, nämlich die Kata zu verbessern, lassen sich deutliche Unterschiede zu anderen Arten des Krafttrainings aufweisen.

Bevor wir dazu kommen, gibt es da aber noch den zweiten Begriff (Kigu Undo), der „Geräte“ erwähnt. Es gibt also Geräte oder Hilfsmittel, die bei diesen Übungen zum Einsatz kommen. Eben diese „Geräte“ möchte ich hier einmal kurz vorstellen. Es gibt, soweit ich das überblicken kann, eine Vielzahl von verschiedenen Geräten und Hanteln, die nicht in jedem Dojo gleichermaßen zu finden sind. Daher werde ich mich auf die Utensilien für das Hojo Undo und Kigu Undo beschränken, die im Jundokan zu finden sind. Ich werde ein wenig über die Entstehung erzählen, sofern ich darüber etwas weiß, und nach Möglichkeit auch Besonderheiten im Gebrauch ansprechen.

Los geht’s also mit den sogenannten „Chiishi“ (石鎚). Die Kanji der „Geräte“ werden in den meisten Fällen (hier auch), nicht Japanisch gelesen, sondern Uchinaguchi (alte Sprache Ryukyu’s).

Chiishi bedeutet wörtlich übersetzt soviel wie „steinerner Klopfer“. Die „traditionelle“ Version besteht aus einem langen hölzernen Griff, der an einem Ende in einen runden Stein befestigt ist.

Die Chiishi, die oben auf dem Bild zu sehen sind, sind die des Jundokan. Ganz links die schwerste Ausführung, ganz rechts die leichteste. Die schwersten Chiishi wiegen etwa 10kg bis 15kg. Die leichteren etwa 4kg bis 10kg.

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Übungen mit Chiishi werden meist im Chiko-Dachi ausgeführt. Es kommt darauf an, zusammen mit dem Gewicht in den Chiko-Dachi zu fallen („Taiotoshi“ [体落とし]). Auf diese Weise übt man das blitzartige Spannen des gesamten Körpers. Außerdem soll die Aufmerksamkeit während des Übens nicht auf die Arme, sondern auf die Seiten („Waki“ []) und auf den „Hara“ () gelegt werden. Diese Übungen sollen so die Spannung (der Seiten), wie sie z.B. in der Kata Sanchin verlangt wird, verbessern. Auch die Griffkraft der Hände und die Kraft der Unterarme wird verbessert.

 

Es wird immer nur eine Chiishi zur gleichen Zeit benutzt. Allerdings gibt es sowohl einhändige , als auch beidhändige Übungen.

Ein weiteres „traditionelles“ Trainingsgerät sind die sogenannten „Ishisashi“ (石錠), was auf Deutsch „steinerner Verschluss“ bedeutet. Es wird erzählt, dass diese (bzw. ähnliche) Gegenstände vor vielen Jahren als Schlösser benutzt wurden. Thilo 2013 4 2

Wie der Name bereits sagt, sind die ursprünglichen Versionen dieser Hanteln aus Stein. Eine Hantel wiegt 5kg. Auch neuere Versionen aus Eisen werden inzwischen ebenfalls benutzt. Diese wiegen etwa gleich viel oder etwas weniger.

Es werden jeweils zwei gleich schwere Hanteln zur selben Zeit benutzt, eine in der rechten und eine in der linken Hand. Die Übungen sollen vor allem die Handgelenke (Kraft in den Händen und Unterarmen/ Schultern) stärken. Es handelt sich dabei größtenteils um Bewegungen aus den Kata.

Auch hier gilt es wieder die Aufmerksamkeit auf den Hara und die Seiten zu lenken.

Auch beim folgenden Trainingsgerät geht es vor allem um die Griffkraft (Hände/ Unterarme).

Nigiri Game“ (握りかめ) oder auch „Sanchin Game“ (三戦かめ) werden diese vasenartigen Gegenstände genannt, die einen besonders dicken und stabilen Rand besitzen, sodass sie gut mit den Fingern zu greifen sind.

Der Name bedeutet in etwa „Vasen zum Greifen“ oder „Sanchin Vasen“.

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Den Erzählungen nach wurden diese Vasen ursprünglich zum Transport von Wasser oder Sake verwendet. Im Museum sind Versionen ausgestellt, die besondere Schlaufen aufweisen, sodass man daran etwa ein Seil oder ähnliches befestigen konnte, sodass man die Vasen z.B. mit einem Stock über die Schultern tragen konnte.

Noch heute sind solche Behältnisse in einigen Restaurants zu finden. Sie beinhalten in der Regel Sake!

Die Übungen bestehen meist daraus, diese Vasen (sie wiegen 5kg oder mehr), auf einer bestimmten Weise mit den Fingern zu halten, während man im Chiko Dachi oder im Sanchin Dachi Bahnen läuft. Natürlich ist auch hier der die Körperspannung (wie in der Kata Sanchin) essentiell.

Wieder eine Hantel aus Stein ist die Folgende. „Maisa“ (丸石) nennt sich dieser runde Stein und tatsächlich – der Name bedeutet genau dies: „Runder Stein“!

Dieses Trainingsgerät weist ein wenig Ähnlichkeit mit den sogenannten „Atlas Steinen“ auf, allerdings ist der Maisa um einiges leichter (ca. 30kg) und besitzt außerdem zwei hölzerne Griffe.

Bei den Griffen handelt es sich aber nicht um einen langen Stab, der zu beiden Seiten heraus steht, sondern um zwei separate Griffe, die nicht mit einander verbunden sind. Man könnte sagen, dass sie ein wenig lose sind. Das zwingt den Übenden dazu, die Kraft nach innen zu konzentrieren, also quasi die beiden Griffe in den Stein hinein zu drücken, damit diese sich nicht lösen. Die Kraft wird nach innen konzentriert, die Seiten sind geschlossen – wie in der Kata Sanchin.

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Übungen mit dem Maisa werden meist im Chiko Dachi ausgeführt. Der Hara spielt eine große Rolle.

Das auf dem unteren Bild zu sehende Gerät wird als „Tan“ () bezeichnet, was soviel wir „auf die Schultern legen“ bedeutet. Es weist eine gewisse Ähnlichkeit mit einer Langhantel auf, allerdings sind die Gewichte an beiden Enden eines Tan fest angebracht und können nicht heruntergenommen werden. Auch der mittlere Teil, der Stab/ die Stange ist in der Regel aus Holz und um ein mehrfaches dicker als eine Langhantelstange.

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Ein Tan wiegt weniger, als man vermuten mag. Genaue Daten sind mit hier nicht bekannt,, aber ich schätze das Gewicht dieses Gerätes auf 10kg bis 20kg.

Als letztes Gerät möchte ich hier das „Kongoken“ (金剛圏) vorstellen. Es ist bekannt, dass Chojun Miyagi Sensei dieses Gerät im Jahre 1934 auf Hawaii entdeckte, mit nach Okinawa brachte und von da an in die Reihe der Hojo Undo Geräte mit aufnahm.Thilo 2013 4 6

Wörtlich bedeutet Kongoken „harte goldene Sphäre/ Kreis“.

Das Kongoken ist extrem schwer. Auch hier kann ich nur schätzen (ca. 30kg – 60kg).

Man kann zusammenfassend sagen, dass bei den Übungen der Hojo Undo, bzw. Kigu Undo, im Gegensatz zum herkömmlichen Krafttraining, nicht etwa einzelne Muskeln gezielt trainiert werden, sondern vielmehr die Techniken aus den Kata geübt und verbessert werden.

Stets ist es wichtig die Spannung im Tanden, im Hara zu bewahren. Alle Übungen werden unbedingt von einer tiefen und starken Atmung begleitet.

Übrigens: Die Makiwara zählen auch zu den Hojo Undo/ Kigu Undo!

Das war’s auch schon wieder von mir für den Monat April!

Ich hoffe, ich konnte euch einen Einblick in die Welt des Hojo Undo und Kigu Undo verschaffen und eure Neugier auf Übungen dieser Art wecken!

Einige Übungen, mit einigen der oben beschriebenen Geräte könnt ihr euch hier anschauen:

http://www.youtube.com/watch?v=VK_h3wlH8mk

Herzliche Grüße in die Heimat,

Thilo