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Okinawa Report Juni, Juli & August 2013

 

Der Sommer ist endlich gekommen. Und der bringt wie erwartet gutes Wetter mit sich. Doch das bedeutet auch, dass dies der letzte Okinawa Report sein wird. Ein Jahr auf Okinawa - im Vorausblick schien das so unendlich viel Zeit zu sein, im Rückblick nicht mehr als ein Augenblick.

In diesem letzten Report widme ich mich vor allem dem Sommer auf Okinawa. Mit schwerem Herzen nehme ich Abschied von dieser wunderbaren Insel (wenn auch wahrscheinlich nicht für immer), und fiebere gleichzeitig der Zeit entgegen die kommt, zu der ich meine Heimat wiedersehen kann.

In diesem Sinne: Sommer auf okinawanisch – „Goran Kudasai!“ („Seht selbst!“)

Tja, was macht man denn so auf Okinawa, wenn der Sommer kommt? Genau, man geht erst mal zum Strand!

Davon gibt es natürlich sehr viele. Einige sind künstlich, andere natürlich. Ein künstlicher Strand ist z.B. der „Kira Kira Beach“, zu Deutsch der „Glitzer Glitzer Strand“ im Südosten der Insel. Diese künstlichen Strände sind meist sehr sauber und es gibt ebenfalls sehr ordentliche sanitäre Anlagen. Allerdings sind diese Strände meist ziemlich gut besucht.

In der Nähe dieser Strände findet man meist Parkanlagen oder Grünflächen. Dort versammeln sich die Leute unter einfachen Pavillons o.ä. zum gemeinsamen Grillen usw.

Ja, auch die Okinawaner lieben das Grillen!

Was diese Strände überdies hinaus auszeichnet sind die, mit Netzen abgetrennten Badebereiche im Meer. Leider sind diese Bereiche meist sehr klein und das Wasser nicht tief, sodass man zwar Plantschen kann, vernünftig Schwimmen aber eher weniger.

Die Bademeister, die ihren Job hier scheinbar sehr ernst nehmen, lassen es nicht zu, dass jemand diese Grenze überschreitet. Mit anderen Worten: Vor allem für Familien mit (kleinen) Kindern sind diese Strände ein tolles Erlebnis. Auch für Leute, die sich zum Grillen treffen sehr schön, aber leider nichts für diejenigen, die Schwimmen oder Schnorcheln wollen.

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Der „Kira Kira Beach“

 

Ein weiterer künstlicher Strand befindet sich etwas weiter südlich, an derselben Küste wie der „Glitzer Glitzer Strand“: Der „Azama San San Beach“.

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Der „Azama San San Beach“

Diejenigen, die es lieber etwas ruhiger und abenteuerlicher haben, besuchen die natürlichen Strände. Dort kann man die (fast) unveränderte Natur genießen. Diese Orte eignen sich besser zum Schwimmen und Schnorcheln, allerdings gibt es auch keine Sicherheitsmaßnahmen und sanitäre Anlagen.

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Natürlicher Strand im Süden: „Mibaru Beach“

Der „Mibaru Beach“ befindet sich ganz im Süden der Hauptinsel, nicht weit vom eben genannten „Azama San San Beach“.

Dort lassen sich auch die charakteristischen „Pilzfelsen“ entdecken. Jahrhunderte lang waschen die Wellen den unteren Teil der großen Felsen aus, bis sie schließlich irgendwann aussehen wie steinerne Pilze.

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Mibaru Beach: „Pilzfelsen“

Wem das immer noch nicht spannend genug ist, der kann sich einen erfahrenen Taucher oder eine Tauchschule suchen, und auf eine Reise in die tiefen des Meeres begeben. Auf Okinawa gibt es gute Orte zum Tauchen. Nicht nur die Fische locken die Taucher jedes Jahr ins Meer, sondern auch die Korallenriffe, die rund um Okinawa zu finden sind.

Allerdings bewirken die momentanen Umweltbedingungen, dass viele dieser Korallen absterben.

Ein guter Ort für Anfänger, die im Tauchen noch nicht so sicher sind, ist ein Ort an Okinawa’s Westküste, „Mizugama“. Felsen bilden ein natürliches Becken, das an keiner Stelle tiefer als 2 Meter ist. Nachdem man sich dort die Grundlagen des Tauchens angeeignet hat, kann man über die Felsen hinaus gehen, und eines der Riffe entlang tauchen, an dem die Korallen leben.

Bis zu 10 Meter geht es hier in die Tiefe. An anderen Stellen weiter im Norden bis zu 60 Meter oder mehr. Generell ist die Westküste bei Tauchern beliebter, da das Wasser dort klarer ist.

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Mizugama: Tauchen für Anfänger

Wer den ersten Schock des Unterwasser-Atmen-Könnens dann erfolgreich überwunden hat, der wird mit atemberaubenden Anblicken belohnt. Aber Vorsicht! Auch Haie verirren sich manchmal in die

Nähe der Küste!

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Mizugama: Fische und Korallen (1)

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Mizugama: Fische und Korallen (2)

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Mizugama: Seegurke (links) und Seestern (rechts)

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Mizugama: Korallen und zackiger Seestern (rechts)

Der zackige Seestern im letzten Bild (rechts oben) ist bekannt dafür, dass er Korallen frisst. Seesterne solcher Art kommen zu hunderten und ziehen über die Korallen her. Viele Taucher töten diese Seesterne sofort, sobald sie sie sehen.

Was aber machen wir mit denjenigen, die sich nicht so sehr für Meer, Strand & Co begeistern können? Da gibt es was! Es hat zwar wieder mit Flüssigkeit zu tun, der Ansatz ist aber ein ganz anderer. Und zwar rede ich vom „Awamori“, Okinawa’s berühmten Reisschnaps.

Wie der Name schon sagt, wird dieser Wein, bzw. Schnaps aus Reis hergestellt. Mindestens genauso interessant wie diesen zu Trinken ist es, sich eine der uralten Höhlen, auf okinawanisch „Gama“ genannt, anzuschauen, in dem der Awamori Jahre lang gelagert wird, bis er schließlich seinen einzigartigen Geschmack erhält.

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Gama: Eingang zur „Sake-Höhle“

Diese Gama genannten Höhlen wurden allerdings nicht immer für das Lagern von Sake verwendet. Viele dieser höhlen erzählen oft traurige Geschichten, von Zivilisten und Soldaten, die in diesen Höhlen während des 2.Weltkrieges Zuflucht suchten.

Einige dieser natürlichen Zufluchten sind heute für jedermann zugänglich und können in Begleitung eines Führers besichtigt werden.

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Gama: Hier lagert der Awamori

 

Tief unten in den kühlen Höhlen findet man ihn den, den Awamori. In den Höhlen ist es nicht nur sehr kühl und feucht, es ist auch stockdunkel! Ohne künstliche Beleuchtung und den Blitz der Kameras wäre es unmöglich, auch nur die eigene Hand vor Augen zu erkennen.

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Gama: Vorrichtung zum Transport der Sake-Flaschen.

Die Höhlen sind, wie bereits gesagt dunkel und auch sehr schwer zugänglich. Es wäre sehr schwierig, und aufwändig, die ganzen Flaschen einzeln bis tief in die Höhlen zu tragen. Daher bedient man sich moderner Technik und fährt die Flaschen einfach mit einer speziellen Vorrichtung rauf und runter. Das erspart eine Menge gefährlicher Kriecherei in den Höhlen.

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Gama: „Sake-Aufzug“

Der Awamori lagert mindestens drei Jahre in den Tiefen der Höhlen. Frühestens dann wird er im Geschäft zum Verkauf angeboten. Wie manche anderen alkoholischen Getränken auch, reift der Awamori mit der Zeit und wird somit teurer.

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Awamori: Der „fertige“ Reisschnaps im Geschäft

Eine Flasche drei Jahre alten Awamori’s kann man für ca. 3000 Yen, also ca. 30€ im Geschäft erwerben. „Awamori“ heißt übrigens wörtlich übersetzt soviel wie „Schaumwald“.

Neben dem Awamori gibt es aber noch eine weitere sehr berühmte okinawanische Sorte des Reisweins: Den „Habushu“. Im Habushu, also im Habu-Sake (shu=Sake) befindet sich nämlich eine „Habu“. Die Habu ist eine Schlangenart, die es hier auf Okinawa zu finden gibt. Sie ist bekannt für ihr tödliches Gift – überall auf der Insel sind Warnschilder aufgestellt.

Diese giftige Schlange wird nun benutzt, um diesen besonderen Sake herzustellen. In der Regel bleibt die ganze Schlange mit dem Alkohol in der Flasche. Wenn die Schlange nicht bereits tot ist, ertrinkt sie beim Herstellungsprozess oder stirbt an Alkoholvergiftung. Sämtlicher Alkohol in der Flasche muss quasi erst einmal „durch“ die Schlange hindurch. Das Gift verteilt sich dabei so sehr, dass das Trinken des Habushu ungefährlich wird.

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Habushu: Schlangen-Sake!

Auch wenn der Geschmack nicht der beste sein soll, eine Schlange im Getränk ist etwas Besonderes und vor allem deswegen beliebt.

Für diesen Sake bezahlt man natürlich auch gleich schon ein ganzes Stückchen mehr. Eine kleine Flasche kostet ca. 80€.

Abschließen möchte ich diesen letzten Report mit den Shisa, den mythischen Wächtern Okinawa’s. Die Shisa erinnern den Betrachter an einen Hund, aber auch irgendwie an einen Löwen und dann manchmal auch eher an einen Drachen.

Welches Tier diesen Wächterfiguren vor vielen vielen Jahren Modell stand, ist heute nicht mehr eindeutig. Sicher ist nur, dass man diese Wächter auf der ganzen Insel findet, sei es nun vor einem Wohnhaus, einem öffentlichen Gebäude, einer Brücke, einem Tor usw.

Die Shisa treten für gewöhnlich als Paar auf. Es gibt sie in den unterschiedlichsten Größen von winzig klein als Anhänger für das Handy, bis zu drei Meter groß als Attraktion in der Großstadt Naha.

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Shisa Attraktion in Naha: Dieser hier speit sogar Wasserdampf!

Die Shisa ziehen meist abschreckend furchterregende Fratzen. Dabei hat der eine Shisa das Maul weit aufgerissen, der andere das Maul geschlossen. Die Shisa sollen so nicht nur das Haus beschützen und böse Geister abwehren, man sagt ihnen auch nach, dass sie Glück bringen sollen.

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Shisa als Brückenwächter

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Zwei große Shisa vor einem Gebäude im Ryukyu-Mura

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Shisa auf dem Dach eines Wohnhauses

Der letzte Okinawa Report geht zu Ende. Ich hoffe euch haben die Reporte gefallen. Vielleicht konnte ich bei dem ein oder anderen ja sogar die Neugier für die unglaublich interessante Kultur des Ryukyu Königreiches wecken.

Ich freue mich auf die Heimat und darauf, bald mit euch gemeinsam Karate trainieren zu können.

Bis bald und herzliche Grüße,

Thilo